Sterben und Geborenwerden sind die Kristallisationspunkte unseres Lebens

Mit der Gründung des europaweit ersten Hospizes 1967 in London durch Cicely Saunders entwickelte sich die Hospizidee zur Wegbereiterin einer modernen, die Grenzen der technischen Medizin akzeptierenden ganzheitlichen, fürsorglichen Behandlung von Schwerkranken und Sterbenden. Die Aufmerksamkeit ist gerichtet auf die Begleitung durch „Dasein“, durch „Schenken von Zeit“, durch Lindern von Not.

Im medizinischen Bereich spricht man dabei von „Palliativmedizin“; die Hospizidee ist hierfür die Grundlage, die aktive Hospizarbeit unseres Vereins ein Teil einer umfassenden „palliativen“ Behandlung.

Der Hospizverein Schweinfurt e.V. bietet seit seiner Gründung im Jahr 1993 ehrenamtlich Begleitungen von Schwerkranken und Sterbenden sowie deren Angehörigen an durch aktive Hospizhelfer, die zuvor eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen haben.

Unser Angebot ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Eine erste Kontaktaufnahme und Begleitung ist im Krankenhaus ebenso möglich wie in einer Pflegeeinrichtung oder zuhause.

Unser Angebot ist ehrenamtlich, d.h. kostenfrei; unsere Arbeit ist nicht gebunden an religiöse Überzeugungen oder konfessionelle Bindungen; unsere Hospizhelfer unterliegen der Schweigepflicht.

Neben der aktiven Begleitung liegt ein weiterer Schwerpunkt unserer Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit, Beratungen hinsichtlich Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht eingeschlossen.

Der Hospizverein Schweinfurt e.V. ist vertraglicher Kooperationspartner des zertifizierten Brust- und Darmzentrums des Leopoldina - Krankenhauses. Wir arbeiten eng mit der Palliativstation Schweinfurt zusammen.

 

Sie können uns jederzeit unter der Telefonnummer unseres „Hospizhandys“ mit der Nummer

0171 331 4192

erreichen oder uns persönlich im Beratungsraum in der Eingangshalle des Leopoldina - Krankenhauses zu den dort bekanntgegebenen Öffnungszeiten unverbindlich und vertraulich ansprechen.


  


       Hospizverein Schweinfurt e.V.




Charta zur Betreuung

schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland

 

Die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ setzt sich für Menschen ein,die aufgrund einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung mit Sterben und Tod konfrontiert sind. Die fünf Leitsätze der Charta formulieren Aufgaben, Ziele und Handlungsbedarfe, um die Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland zu verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei immer der betroffene Mensch.

Seit Beginn des Charta-Prozesses im Jahr 2008 haben rund 200 Expertinnen und Experten aus 50 gesellschaftlich und gesundheitspolitisch relevanten Organisationen und Institutionen – organisiert in Arbeitsgruppen und am Runden Tisch – im

intensiven Dialog an der Entstehung der Charta mitgewirkt.

Der Runde Tisch ist das Entscheidungsgremium zur Charta. Seit Veröffentlichung der Charta im September 2010 ist es gelungen, viele weitere Akteure in den Prozess einzubeziehen, die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den existentiellen Phänomenen Sterben, Tod und Trauer zu fördern und die Ziele der Charta stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Über 11.000 Organisationen und Einzelpersonen – darunter auch zahlreiche Politiker aller Ebenen – haben sich mit ihrer Unterschrift für die Charta und ihre weitere Umsetzung eingesetzt

 

 Jeder Mensch hat

ein Recht auf ein Sterben

unter würdigen Bedingungen.


1Gesellschaftspolitische

Herausforderungen – Ethik, Recht

und öffentliche Kommunikation

 >> Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen. Er muss darauf vertrauen können, dass er in seiner letzten Lebensphase mit seinen Vorstellungen, Wünschen und Werten respektiert wird und dass Entscheidungen unter

Achtung seines Willens getroffen werden. Familiäre und professionelle Hilfe sowie die ehrenamtliche Tätigkeit unterstützen dieses Anliegen.

Ein Sterben in Würde hängt wesentlich von den Rahmenbedingungen ab, unter denen Menschen miteinander leben. Einen entscheidenden Einfluss haben gesellschaftliche Wertvorstellungen und soziale Gegebenheiten, die sich auch in juristischen Regelungen widerspiegeln.

Wir werden uns dafür einsetzen, ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und insbesondere den Bestrebungen nach einer Legalisierung der Tötung auf Verlangen durch eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen

Miteinanders entgegenzuwirken. Dem Sterben als Teil des Lebens ist gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.

 

2 Bedürfnisse der Betroffenen – Anforderungen an die Versorgungsstrukturen

 >> Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht auf eine umfassende medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Betreuung und Begleitung, die seiner individuellen Lebenssituation und seinem hospizlich-palliativen

Versorgungsbedarf Rechnung trägt. Die Angehörigen und die ihm Nahestehenden sind einzubeziehen

und zu unterstützen.Die Betreuung erfolgt durchhaupt- und ehrenamtlich Tätige soweit wie möglich in dem vertrauten bzw. selbst gewählten Umfeld. Dazu müssen alle an der Versorgung Beteiligten eng

zusammenarbeiten.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass Versorgungsstrukturen vernetzt und bedarfsgerecht für Menschen jeden Alters und mit den verschiedensten Erkrankungen mit hoher Qualität so weiterentwickelt werden, dass alle Betroffenen Zugang dazu erhalten.

Die Angebote, in denen schwerstkranke und sterbende Menschen versorgt werden, sind untereinander so zu vernetzen, dass die Versorgungskontinuität gewährleistet ist.

 

3Anforderungen an die Aus-, Weiter- und Fortbildung

 >> Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht auf eine angemessene, qualifizierte und bei Bedarf multiprofessionelle Behandlung und

Begleitung. Um diesem gerecht zu werden, müssen die in der Palliativversorgung Tätigen die Möglichkeit haben, sich weiter zu qualifizieren, um so über das erforderliche Fachwissen, notwendige Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie eine reflektierte

Haltung zu verfügen.

Für diese Haltung bedarf es der Bereitschaft, sich mit der eigenen Sterblichkeit sowie mit spirituellen und ethischen Fragen auseinanderzusetzen.

Der jeweils aktuelle Erkenntnisstand muss in die Curricula der Aus-, Weiter- und Fortbildung einfließen. Dies erfordert in regelmäßigen Zeitabständen eine Anpassung der Inhalte.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen thematisch differenziert und spezifiziert in die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Beteiligten in den

verschiedensten Bereichen integriert wird.

 
  4 Entwicklungsperspektiven und Forschung

 >> Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht darauf, nach dem allgemein anerkannten Stand der Erkenntnisse behandelt und betreut zu

werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden kontinuierlich neue Erkenntnisse zur Palliativversorgung aus Forschung und Praxis gewonnen, transparent gemacht und im Versorgungsalltag umgesetzt. Dabei sind die bestehenden ethischen und rechtlichen Regularien zu

berücksichtigen.

Zum einen bedarf es der Verbesserung der Rahmenbedingungen der Forschung, insbesondere der Weiterentwicklung von Forschungsstrukturen

sowie der Förderung von Forschungsvorhaben und innovativen Praxisprojekten. Zum anderen sind Forschungsfelder und -strategien mit Relevanz für

die Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen zu identifizieren.

Wir werden uns dafür einsetzen, auf dieser Basis interdisziplinäre Forschung weiterzuentwickeln und den Wissenstransfer in die Praxis zu gewährleisten, um die Versorgungssituation schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen

und Nahestehenden kontinuierlich zu verbessern.

 

5 Die europäische und internationale Dimension

 >> Jeder schwerstkranke und sterbende Mensch hat ein Recht darauf, dass etablierte und anerkannte internationale Empfehlungen und Standards zur

Palliativversorgung zu seinem Wohl angemessen berücksichtigt werden. In diesem Kontext ist eine nationale Rahmenpolitik anzustreben, die von allen

Verantwortlichen gemeinsam formuliert und umgesetzt wird. Wir werden uns für die internationale Vernetzung von Organisationen, Forschungsinstitutionen und anderen im Bereich der Palliativversorgung Tätigen einsetzen und uns um

einen kontinuierlichen und systematischen Austausch mit anderen Ländern bemühen. Wir lernen aus deren Erfahrungen und geben gleichzeitig eigene Anregungen und Impulse.

 

Im Rahmen einer Nationalen Strategie geht es nun darum, die in der Charta formulierten Leitsätze – auch mit Unterstützung derPolitik – so umzusetzen, dass jeder Betroffene unabhängig vonder zugrundeliegenden Erkrankung, der persönlichen Lebenssituation oder des Versorgungsortes eine qualitativ hochwertige palliative und hospizliche Behandlung und Begleitung erhält.

In Ergänzung hierzu hat das Bundesministerium für Gesundheit im Juli 2013 das Forum „Palliativ- und Hospizversorgung in Deutschland“ eingerichtet.

Von Anfang an wurde die Durchführung des Charta-Prozesses von der Robert Bosch Stiftung ermöglicht und darüber hinaus von der Deutschen Krebshilfe und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt.

 

Wir freuen uns, dass Sie die Charta unterstützen!

Die Charta ist nicht nur ein Projekt von Institutionen und Organisationen:

Jeder kann dazu beitragen, dass es mit dem Charta-

Prozess vorangeht. Nehmen Sie die Charta zum Anlass, in Ihrem persönlichen und/oder beruflichen Umfeld über wesentliche Anliegen von schwerstkranken und sterbenden Menschen in Deutschland zu sprechen und Veränderungen anzuregen!

Wir freuen uns über jedwede Unterstützung der Charta, selbstverständlich auch über weitere Unterschriften.

 

B. Bolze                   Prof. Dr. L. Radbruch    Prof. Dr. F. U. Montgomery

Geschäftsführer DHPV   Präsident DGP                  Bundesärztekammer

 

  Impressum

Träger und Herausgeber

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V.

Bundesärztekammer

Charta Geschäftsstelle

c/o Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e. V.

Aachener Straße 5   10713 Berlin

Tel 030 / 820 07 58 25

Fax 030 / 820 07 58 27

E-Mail charta@palliativmedizin.de

Leiterin der Geschäftsstelle

Franziska Kopitzsch

Gestaltung

MEIRA | www.meira.de

Bildquelle

Karin Dlubis-Mertens

Stand

September 2014

 

 

Diesen Informationsflyer sowie eine Langfassung der Charta als Broschüre können Sie unter der Internetadresse

www.charta-zur-betreuung-sterbender.de bestellen oder ihre Anfrage direkt an die Geschäftsstelle richten.