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Großes Benefizkonzert der Bundeswehr Big Band auf dem Marktplatz Schweinfurt am 12.07.2019

Open Air Konzert St. Peter Ording,
Quelle: Bundeswehr/Ernst

Großes Benefiz-Konzert der Bundeswehr Big Band im Juli auf dem Marktplatz

Text: Stefan Pfister

Ein ganz besonderes Musik-Event wird Schweinfurt in diesem Sommer erleben. Am 12. Juli 2019 gastiert die Big Band der Bundeswehr auf dem Marktplatz. Erwartet werden bei dem kostenlosen Benefiz-Konzert bis zu 5.000 Besucher. Die Spenden gehen an eine örtliche Hilfsorganisation.

Sie gilt als die bekannteste und beliebteste Einheit der Truppe: Die Big Band der Bundeswehr ist die modern klingende Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland und präsentiert sich als hochkarätiger musikalischer Botschafter. Nicht nur bei parlamentarischen Abenden und Ballveranstaltungen in Berlin, beim Bürgerfest des Bundespräsidenten, auf großen Open Air Bühnen oder in Clubkonzerten gastiert das Ensemble; auch im Ausland ist es ein gern gesehener Gast: US-Präsidenten und der Pabst haben mit ihren Füßen zum Groove der Big Band der Bundeswehr gewippt, auch in Moskau, Madrid, Kapstadt, New York und Rio de Janeiro ist die SwingFormation schon aufgetreten. Fest zum Tourplan gehören zudem die Auftritte bei olympischen Sommer- und Winterspielen.

Am Freitag, 12. Juli, um 20.00 Uhr wird das wohl ungewöhnlichste Show- und Unterhaltungsorchester erstmals in Schweinfurt auftreten – und das bei freiem Eintritt (keine Bestuhlung, nur Stehplätze). Marschmusik – wie vielleicht von manchen erwartet – werden die 24 Promusiker in Uniform unter der Leitung von Bandleader Timor Oliver Chadik allerdings nicht spielen; und das, obwohl das Orchester zusammen mit den Blasorchestern zu den insgesamt 14 Klangkörpern des Militärmusikdienstes der Bundeswehr gehört. Die Big Band wurde 1971 vom damaligen Verteidigungsminister und späteren Bundeskanzler Helmut Schmidt mit dem Auftrag gegründet, einen modernen Sound für eine moderne Armee zu schaffen. Von daher werden auch in Schweinfurt zeitgenössische Klänge zu hören sein, die in einer modernen Multimedia- und Bühnenshow eingebettet sind.  

 Johannes M. Langendorf vom Tour-Management der Big Band der Bundeswehr kündigte bei der Präsentation des Konzerts ein breit aufgestelltes Programm für Jedermann an, mit Swing, Jazz, Pop und Rock. Zu hören sein werden  Welthits von Stars wie Whitney Houston und Robbie Williams, ebenso große Klassiker sowie bekannte Jazz und Swing Melodien unter anderem von Glenn Miller Damit die zu erwartenden 3.000 bis 5.000 Besucher das Konzert auch optisch optimal erleben, wird eine 60 Quadratmeter große LED-Wand auf der riesigen Bühne vor dem Rathaus installiert, auf der unter anderem Videoeinspieler zu sehen sind. Auch ein Licht-Designer gehört zum Big Band Team. Über 70 Tonnen Material werden von einer zehnköpgen Technik-Crew mitgebracht, am gleichen Tag aufgebaut und nach dem Konzert gleich wieder abgebaut. Das Benefiz-Konzert in Schweinfurt findet im Rahmen der großen Open Air Sommer-Tour durch Deutschland statt. 30 Auftritte sind in diesem Jahr geplant. Dass Schweinfurt bei seiner Premiere einen der begehrten Freitagabend-Termine erhalten hat, sei eine Besonderheit, sagte Langendorf. Die Verantwortlichen vom Amt für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften der Stadt Schweinfurt sind darüber natürlich begeistert. Thomas Herrmann, Sachgebietsleiter Innenstadt, zeigte sich hocherfreut, dass es endlich geklappt habe, die Big Band der Bundeswehr zu einem hochkarätigen Konzert in der Stadt begrüßen zu dürfen und hofft auf viele Besucher aus der Region. An dem Konzertabend wird es ein Catering geben, um das sich die Stadt Schweinfurt kümmert. Das Amt stehe diesbezüglich mit Gastronomiepartnern wegen diverser Verpflegungsstände in Verhandlungen, informierte Herrmann. Ebenso erfreulich ist für die Verantwortlichen die begleitende Spendenaktion. Seit Anbeginn tritt das Orchester ohne Gage auf, so auch in Schweinfurt. Amtsleiterin Pia Jost und Thomas Herrmann hoffen auf eine rege Beteiligung der Gäste während des Konzerts, schließlich würden die Spenden aus der Region in der Region bleiben.

Als Empfänger wurde der Hospizverein Schweinfurt ausgewählt. Darüber freue sich der Verein sehr, sagte Vorstandsmitglied Susanne Ritzmann bei der Konzertvorstellung im Rathaus. Die sehr wertvolle Arbeit, sonst im Verborgenen, werde dadurch in den Vordergrund gerückt. Der Hospizverein ist seit 25 Jahren ehrenamtlich tätig und betreut Schwerstkranke bei der Sterbebegleitung sowie deren Angehörige. „Viele sind sehr dankbar dafür“ , berichtete sie. 245 Mitglieder zählt der Verein, etwa 40 davon sind als qualifizierte ehrenamtliche Hospizhelfer tätig.

Für Tour-Manager Johannes M. Langendorf ist jetzt schon klar: „Egal, wie viel Geld gesammelt wird, es kommt einem gutem Zweck zugute.“ Er freut sich auf eine „unglaubliche Sommer-Party“ im Juli in Schweinfurt. Nur eine Bitte hat er an die Stadt, für die das Konzert mit keinerlei Kosten verbunden ist: „Alles, was wir brauchen ist gutes Wetter. Den Rest bringen wir mit.“

Weitere Informationen unter www.bigband-bw.de

Hospizverein feierte sein 25-jähriges Bestehen (Ursula Lux, Main Post 12.11.18)

Foto: Ursula Lux Wegen ihres großen Engagements im Hospizverein Schweinfurt ehrte (von links) dessen Vorsitzender Johannes Mühler, Franz Feineis, Annitta Dreiskämper, Elfriede Herbold und Claudia Ossinader. Unterstützt wurde er dabei vom Vorsitzenden des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes, Konrad Göller.

Der Hospizverein hat sich ein Konzert vom Feinsten zum Geschenk gemacht.

Er lud zu seinem 25-jährigen Bestehen das Trio Helmut Eisel & JEM in die Rathausdiele ein. Und die Musiker erfüllten den Raum mit Melodien die ihres gleichen suchen. Ihre jiddische Klezmer Musik erzählte Geschichten von großen Gefühlen, war einfühlsam, liebevoll, lachend, schreiend, provozierend, dramatisch, es war Musik, wie sie für einen Festabend der Hospizbewegung nicht besser hätte gewählt werden können. Die Redebeiträge waren eingebettet in dieses Konzert und bei dieser Veranstaltung das Zubrot. Innenstaatssekretär Gerhard Eck versprach Unterstützung und räumte ein, dass politisch noch zu wenig für die Unterstützung der Hospizbewegung getan werde.

Oberbürgermeister Sebastian Remelé erzählte von seinen Geburtstagsbesuchen bei über 80-Jährigen, mit denen er oft ganz allein dasitze. Die Menschen hätten Angst vor dem Sterben, genau besehen aber vor allem die Angst, alleine sterben zu müssen. Neben der Begleitung Sterbender rechnete er dem Hospizverein hoch an, dass dieser das Thema Sterben und Tod in der Gesellschaft thematisiere. Stellvertretender Landrat Peter Seifert drückte die Wertschätzung des Landkreises mit einem Scheck aus, "für jedes Jahr 10 Euro". Konrad Göller, Vorsitzender des Bayerischen Hospiz- und Palliativvereins zog die Parallele zu der "momentan heftigen Bewegung im Umgang mit Fremden". Die Begegnung mit Sterbenden hieße immer, sich auch mit dem Fremden auseinanderzusetzen. Von den Ehrenamtlichen fordere sie "leere Hände, offene Herzen und die Bereitschaft sich verletzen zu lassen". Sich dem Fremden auszusetzen sei die größte Leistung einer Gesellschaft, meinte Göller. Er dankte dem Schweinfurter Hospizverein auch dafür, dass er den Bayerischen Dachverband mit gegründet hat, noch bevor seine eigene Gründung geschehen war. Johannes Mühler, Vorsitzender des Hospizverein Schweinfurt blickte zurück: Es seien wohl die 68er gewesen, die die Veröffentlichungen von Cicely Saunders und Elisabeth Kübler-Ross zum Anlass genommen hätten, das was in deren Büchern gefordert wird, zu verdichten. Die Gründung der Hospizbewegung gleiche einer "Revolte im positiven Sinn", die sich unbedingten Respekt vor dem Leben bis zuletzt auf die Fahnen geschrieben habe. Und dieses herausragende bürgerschaftliche Engagement habe vieles erreicht. Patientenverfügung und Palliativmedizin seien dafür nur zwei Beispiele. Mühler dankte den Gründungsmitgliedern des Schweinfurter Hospizvereins Franz Feineis, Jochen Kessler-Rosa und Susanne Rosa, Elisabeth Herbold, Konstanze Jünemann-Dietz, Waltraud Redelberger, Lothar Riedmann, Wolfgang Schleichert, Stefan Mai, Brigitte Müller und Traudel Schäfer. Diese Pionierarbeit sei das eine gewesen, die große Herausforderung heute liege im "Bewahren und Pflegen", betonte Mühler. War man anfangs noch ein Außenstehender so seien die Hospizvereine inzwischen Insider, eingebunden ins Gesundheitssystem mit "allen Segnungen und Gefahren". Jetzt gelte es sorgsam darauf zu achten die Idee des Ehrenamtes und der Sorge füreinander nicht zu verraten. Da im Gesundheitssystem nicht der Altruismus, sondern die Ökonomie herrsche, gelte es gegen den Strom zu schwimmen. Mühler erinnerte an den dringenden Wunsch nach einem Hospiz, die politischen Rahmenbedingen wäre doch zurzeit günstig und die Voraussetzungen in der Region gut. Sieben Mitglieder wurden für ihr besonderes Engagement in der Hospizarbeit geehrt: Hannelore Berlet, Annitta Dreiskämper, Franz Feineis, Elfriede Herbold, Anne Lorz, Claudia Ossiander und Brigitta Pfister.

HPVN organisiert Runden Tisch zum Thema Hospizkultur und Palliativkompetenz in stationären Pflegeeinrichtungen

Schweinfurt – Der Einladung des Hospiz- und Palliativversorgungsnetzwerkes (HPVN) Schweinfurt – Bad Kissingen folgten am Montag, 15. Mai insgesamt 30 Leiterinnen und Leiter von stationären Altenpflegeeinrichtungen und Einrichtungen der Behindertenhilfe aus Stadt und Landkreis Schweinfurt sowie dem Landkreis Bad Kissingen.

Gemeinsam mit Vertretern des HPVN sowie Verantwortlichen der kommunalen Heimaufsichten diskutierten sie über die Bedürfnisse der Sterbenden und wie diesen in Zusammenarbeit mit Ärzten, Hospizdiensten usw. am besten entsprochen werden kann. Die Beteiligten waren sich einig, dass eine gute hospizliche Begleitung und palliative Versorgung nur möglich ist, wenn ausreichend und vor allem gut ausgebildetes Personal zur Verfügung steht.

Aus diesem Grund hatte das HPVN auch Markus Starklauf, den Leiter der Hospizakademie Bamberg zu dem Austausch eingeladen. Er und seine Mitarbeiterin, Alexandra Raab, stellten verschiedene Fortbildungsangebote vor und machten auch auf die Möglichkeit von Vor-Ort-Schulungen aufmerksam.

Die Teilnehmer verständigten sich am Ende des Austausches darüber, dass sich dieser Runde Tisch von nun an in regelmäßigen Abständen treffen sollte. Neben den Pflegeheimen selbst können sich dann auch Ärzte, Apotheken und Hospizdienste beteiligen, denn es zeigte sich, dass für die Verwirklichung einer umfassenden Hospiz- und Palliativversorgung in den stationären Einrichtungen der Alten-und Behindertenhilfe ein gutes Miteinander mit allen Akteuren rund um den schwerstkranken Menschen notwendig ist.

Ein nächstes Treffen ist für den Herbst geplant.

Hintergrund: Das Hospiz- und Palliativversorgungsnetzwerk (HPVN) Schweinfurt – Bad Kissingen ist ein Zusammenschluss der Landkreise Bad Kissingen und Schweinfurt, der Stadt Schweinfurt, des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes sowie der beiden Hospizvereine Schweinfurt und Bad Kissingen. Es wurde am 26. September 2016 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt die verschiedenen bestehenden Hospiz- und Palliativangebote zu vernetzen und auszubauen, um so eine bestmögliche Versorgung schwerstkranker Menschen zu erreichen

 

 

Die Netzwerkmoderatorin des HPVN Schweinfurt-Bad Kissingen, Elisabeth Virnekäs (r.) moderierte den Runden Tisch (Alexandra Raab, Markus Starklauf)
Susanne Ritzmann vom Hospizverein Schweinfurt führte die Teilnehmer in das Thema ein und lieferte die rechtlichen Hintergrundinformationen.

Hospiz in der Schule

Foto: Susanne Ritzmann

„Patientinnen und Patienten am Lebensende und in der Palliativversorgung pflegerisch unterstützen“, so steht es im Lehrplan für die generalistische Pflegeausbildung an der Berufsfachschule für Altenpflege der Caritas Schulen gGmbH Schweinfurt.

Die Schüler/innen sollen u.a. lernen, sterbende Menschen zu begleiten und pflegebedürftigen Menschen in der letzten Lebensphase im Umgang mit physischen und seelischen Schmerzen zur Seite zu stehen. Hierzu gehört auch, dass sich die Schüler/innen persönlich mit Fragen nach der eigenen Endlichkeit und dem Sinn des Lebens auseinandersetzen, ihre Ängste und Hoffnungen wahrnehmen und die Grenzen ihrer Belastbarkeit kennen.

 

Angelehnt an das Konzept „Hospiz und Schule“ des Bayerischen Hospiz-und Palliativverbandes und nach den Vorgaben im Lehrplan befassten sich die ersten Unterrichtsstunden zu diesem Thema mit der Frage nach einem selbstbestimmten Lebensende .

 

 

 

 

Ausgehend von aktuellen Gerichtsurteilen und Fallbeispielen wurden

die verschieden Formen der Sterbehilfe erläutert. Auch auf die

unterschiedliche rechtliche Situation in Deutschland, Niederlanden und

der Schweiz wurde eingegangen. Die Klasse A II erfährt , welche

Versorgungsmöglichkeiten es für schwerstkranke und sterbende Menschen

gibt, unterscheiden Hospize und Palliativstationen und wissen um deren

Aufgabenstellungen und Strukturen.

 

 

„Das Konzept ist nicht nur ein Eintauchen in die Welt der

Hospizarbeit und PalliativCare. Es hat zum Ziel, nachhaltig die Haltung

und Kompetenz der Schüler/innen zu verändern. Aber es braucht Zeit, um

eine Haltung zu entwickeln. Diese Kompetenz kann nur durch authentische

Berichte aus erster Hand erlernt werden“ (aus: Hospiz und Schule, BHPV,

S. 60) und so lud Frau Ritzmann die ehrenamtliche Hospizbegleiterin Frau

Hannelore Berlet zu einem Gespräch in die Klasse ein.

 

 

Frau Berlet ist seit über 20 Jahren aktive Hospizbegleiterin und war

bis letztes Jahr Einsatzleitung im Hospizverein Schweinfurt e.V. Am

Anfang erläutert sie den Ablauf der halbjährigen Ausbildung zum

ehrenamtlichen Hospizbegleiter/in, welche beim Hospizverein Schweinfurt

Anfang jeden Jahres angeboten wird. Die ehemalige Krankenschwester

erzählt von ihrer Motivation, schwerstkranken und sterbenden Menschen

helfen zu wollen. ...den Tagen mehr Leben geben und dem betroffenen

Patienten einen Abschied in Würde zu ermöglichen, das ist das

wesentliche Ziel der Hospizarbeit:

 

 

Für den Patienten da zu sein, ihn in seiner Angst ernst zu nehmen,

zuzuhören, auf seine Wünsche und Bedürfnisse einzugehen und auch die

An-und Zugehörigen zu entlasten. Ruhig berichtet Frau Berlet von ihren

Erfahrungen im Umgang mit Sterbenden. Am Ende der Unterrichtsstunde

geht sie noch auf Fragen der Schüler/innen ein. Ihre Offenheit, ihre

Ehrlichkeit und das Mitteilen ihrer persönlichen Erfahrungen wurden von

der Klasse sehr wertgeschätzt. (Text: Susanne Ritzmann)

 

 

Hospizverein eröffnet Anlaufstelle in der Segnitzstraße

Mitten im Leben, zwischen Bäcker, Metzger, Kindergarten, Kirchen im Hintergrund: Da gehört ein Hospizbüro hin, meint Dr. Johannes Mühler, Vorsitzender des Hospizvereins, bei der Eröffnung der neuen Anlaufstelle des Vereins in der Segnitzstraße 28. Schließlich gehört auch der Tod zum Leben, ist ein Teil der Natur, meint Pfarrerin Susanne Rosa.

Das Büro wirkt gemütlich, heiter, einladend – und bei der Eröffnung ist es proppenvoll. Kein Wunder, schließlich sind viele mit im Boot – Organisationen, Krankenhäuser, freiwillige Helfer.

Eine Herberge mitten im Leben

„Es soll eine Herberge sein“, meint Pfarrer Franz Feineis. Zusammen mit Pfarrerin Susanne Rosa findet er treffende und anerkennende Worte für das, was der Hospizverein leistet. Hoffnung soll man hier finden, Kraft, Zuspruch. „Hier wird Mut geschenkt“, so Susanne Rosa. Aber auch Rat, Wärme und ganz praktische Hilfe gibt es in der Segnitzstraße 28.

Großen Respekt gab es für die Arbeit der Helfer, die dem Schmerz nicht ausweichen, die hinschauen, wo andere wegsehen, weil sie mit dem Tod nicht umgehen können.

Sterbende und ihre Angehörigen können sich hier aussprechen, Trost finden und auch jemanden finden, der sie in den Tod begleitet und ihnen auch die Angst nimmt und die Einsamkeit.

Viele drängen den Gedanken an den Tod an den Rand, meint Oberbürgermeister Sebastian Remelé. Um so wichtiger sei es, eine Anlaufstelle wie das Hospizbüro zu haben, zumal sehr viele alte Leute einsam leben und auch einsam sterben. Remelé bedankte sich bei den Helfern für ihren sicher nicht immer einfachen Einsatz.

Die Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 9 bis 13 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 13 bis 15 Uhr, sowie nach Vereinbarung. Telefon Tel. 5 33 11 50 oder Tel. (0171) 3 31 41 92.

zum Artikel

Presseberichte zum 20-jährigen Jubiläum

Geldregen: Zum 20-jährigen Bestehen des Hospizvereins überreichte der Lions-Club Schweinfurt, vertreten durch Präsident Klaus Langner (von rechts) Susanne Ritzmann und Johannes Mühler einen Scheck über 2000 Euro.

Schweinfurter Tagblatt 21.10.2013 Ja zum Leben und Ja zum Sterben Der Hospizverein Schweinfurt feiert sein 20-jähriges Bestehen

„Durch planerische Kontrolle solle dem Tod das Unfassbare genommen werden. Menschen heute verschließen sich der Einsicht, dass der Tod ebenso wie jeder Anfang des Lebens ein Geheimnis ist, unmittelbar verbunden mit der Frage nach dem Sinn. Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen. Lachenden Munds, wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.“

So beschrieb einst Rainer Maria Rilke die Endlichkeit des Menschen. Der „Größe“ des Todes setzt der Schweinfurter Hospizverein seit nunmehr 20 Jahren die Größe des menschlichen Herzens entgegen. Hospizhelfer schenken Todgeweihten und ihren Angehörigen Zeit und Nähe, Aufmerksamkeit und Wertschätzung und versuchen so, dem Tod seinen Stachel zu nehmen.

Die Rathausdiele war übervoll, als der Vorsitzende des Hospizvereins, Johannes Mühler, zum Festakt willkommen hieß. In der ereignisreichen Zeit der 1968er Jahre, der Zeit emanzipatorischer Bewegungen, entstand in aller Stille auch die Hospizbewegung. Seitdem sei der Tod in unserer Gesellschaft präsenter geworden, meint Mühler und tritt gleich den Beweis an. „Wer von ihnen hat sich noch nie mit dem Thema Patientenverfügung befasst?“, fragt er und kein einziger Finger geht hoch. „Wer hatte vor 20 Jahren schon eine Patientenverfügung?“ Es melden sich einige wenige.

Der Arzt und Philosoph Prof. Dr. Giovanni Maio hinterfragt in seinem Festvortrag unsere Gesellschaft. Die Selbsttötung von Gunther Sachs nach seiner Alzheimerdiagnose und die geradezu „euphorische Berichterstattung“ gaben ihm zu denken. „Wenn Suizid nicht mehr mit Bestürzung, sondern mit Verständnis aufgefasst wird, dann ist das gefährlich“, mahnt er. Suizid und Sterbehilfe, der Tod auf Bestellung, das seien Indizien für die Auffassung unserer Gesellschaft, dass Leben, das nicht vollkommen sei, auch nichts wert sei. „Es ist notwendig, weiter zu fühlen“, fordert Maio.

Den Wunsch zu sterben hätte wohl jeder Schwerkranke einmal, weiß der Arzt, aber das sei ein Durchgangsstadium, das durch eine Kultur der Sorge bewältigt werden kann. Dabei sei die heute so wichtige Autonomie des Patienten durchaus Bestandteil dieser Kultur, betont Maio. „Echte Sorge ist reflektierte Autonomie, reflektierte Autonomie ohne Sorge ist Entsorge.“ Heute werde der Tod als defizitär erlebt und nicht mehr als Abrundung des Lebens, bemängelt der Festredner. Die Erwartung, dass der eigene Tod im Leben heranreift, stehe im Gegensatz zu Beschleunigung und Hyperaktivität unserer Zeit. Deshalb wolle der moderne Mensch den Tod gerne planen wie sein Leben.

Auch die Tendenz unserer Gesellschaft zu Privatisierung erschwere das Sterben, das heute aus sozialen Bezügen herausgelöst wird, meint Maio. Während der Tod früher ein soziales Ereignis war, meint man heute, darauf verzichten zu können. Die Hospizbewegung sei ein heilsamer Weg neuer sozialer Gemeinschaft. In der Begegnung mit anderen gewinnt der Mensch die Kraft, ja zu sagen zu seinem Leben, wie es war, die eigene Begrenztheit anzunehmen und die Welt, wie sie nun einmal ist. Eine Kultur der Achtsamkeit, die den Sterbenden für ein Gefühl der Dankbarkeit öffnet, könne im Dunkel des Todes die Farben des Lebens zu leuchten bringen, glaubt Maio.

Sieben Fähigkeiten brauchen Menschen für eine neue Ethik der Sorge im Leben, schließt Maio: Zeit, Aufmerksamkeit, Hingabe, Begegnung, Wohlwollen, Hoffnung und Wertschätzung. Seine Wertschätzung für den Hospizverein drückte Innenstaatssekretär Gerhard Eck aus. Er sprach dieser „für die Gesellschaft unabdingbaren Einrichtung“ jede mögliche politische Unterstützung zu. Oberbürgermeister Sebastian Remelé überbrachte die Gratulation und den Dank von Stadt und Landkreis.

Ursula Lux

SCHWEINFURTER TAGBLATT 15.10.2013

Der Tod als Knochenmann am Haken: Selbstporträt des 38-jährigen Lovis Corinth. Eines von vielen Beispielen im Vortrag von Axel Spring im Museum Georg Schäfer.

20 Jahre Hospizverein: Auftakt der Festwoche
Vortrag von Axel Spring im Museum Georg Schäfer

Mit 38 hat er den Tod noch verhöhnt. Da hat er den Knochenmann an den Haken gehängt, dass er aussah wie jene Skelette, die Schüler seit Jahrhunderten im Biologiesaal vorfinden. 20 Jahre später hat sich das Bild gewandelt: Lovis Corinth hat vier Jahre zuvor einen schweren Schlaganfall erlitten. Er ist dem Tod ein ganzes Stück nähergekommen. Oder der Tod ihm. Auf dem Selbstporträt als 38-Jähriger hat er den Tod noch überragt, nun blickt er zu ihm empor. Zuvor hat sein Gesichtsausdruck selbstbewusste Herausforderung gezeigt, jetzt zeichnet sich erstes Erschrecken ab.

Axel Spring, ehemals Chef der Neurochirurgie am Leopoldina-Krankenhaus, hat sich auf die Bitte Johannes Mühlers hin mit dem Thema Sterben und Tod in der Kunst auseinandergesetzt. Mühler ist Neurologie-Chef am Leo und Vorsitzender des Schweinfurter Hospizvereins. Mit Springs Vortrag im Museum Georg Schäfer begann am Montag die Festwoche zum 20-jährigen Bestehen des Hospizvereins.
Mühler umriss Anliegen und Philosophie der Hospizbewegung: „Es geht darum, unsere Endlichkeit in den Blick zu nehmen. Viele Dinge im Leben entziehen sich der Machbarkeit. Wir dürfen die Menschen damit nicht allein lassen.“

Am Fall Corinth hatte Spring zuvor schon die Verbindung von Krankheit und Kunst erkundet. Nun hat er gewissermaßen den logischen nächsten Schritt getan. Und dabei festgestellt, dass die Menschheit 2000 Jahre lang, von Homer bis Tolstoi, ein durchaus natürliches Verhältnis zum Tod als Bestandteil des Lebens hatte. Erst im 19. Jahrhundert wird der Tod allmählich zum Angstgegner, und in der modernen Leistungsgesellschaft ist er gar nicht erst eingeplant.

In der Kunst ist er – immer im Spiegel der zeitgenössischen Sichtweise – allgegenwärtig. Der Tod taucht als Helfer auf Vasen der griechischen Antike auf, in der Malerei mit Beginn der Neuzeit als Knochengerüst, Ritter, Jäger, Zecher, Bogenschütze oder gar Liebhaber. Im 15. Jahrhundert, vor dem Hintergrund der großen Pest-Epidemien, wird der Totentanz auf den Wänden vieler Kirchen zur eigenen Kunstgattung: Alt und Jung, Reich und Arm, Mächtig und Schwach tanzen in gleichmacherischem Reigen aus dem Leben ins Jenseits. Dieses Jenseits taucht (noch) nicht auf. Es deutet sich vielleicht in den Landschaften von Caspar David Friedrich an oder in den leuchtenden Himmeln bei Segantini, die Axel Spring als „Todeslandschaften“ rubriziert.

Am ergiebigsten ist das Kapitel „Der Künstler und der Tod“: Hier findet die persönlichste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit statt – vom sozusagen rituellen Sterben Jesu bei Grünewald, Velasquez oder Tintoretto bis hin zu Rembrandts „Anatomiestunde des Dr. Tulp“, die den Tod im Spiegel der entsetzten Gesichter der Lebenden zeigt. Wobei Kunst auch Trauerarbeit sein kann. So thematisiert Edvard Munch immer wieder den frühen Tod seiner geliebten Schwester Sophie. Egon Schiele hat seine Frau Edith noch wenige Stunden vor ihrem (und vier Tage vor dem eigenen) Grippe-Tod porträtiert. Und Ferdinand Hodler begleitet in einer ganzen Serie von Bildern den qualvollen Krebstod seiner Geliebten Valentine Godet. Axel Spring: „Ein in der Malerei einzigartiger Vorgang.“

Von unserem Redaktionsmitglied Mathias Wiedemann

SCHWEINFURTER TAGBLATT

Der Schnitter Tod macht sich nützlich: Karikatur von Barbara Henninger aus der Ausstellung mit Karikaturen zu Sterben, Tod und Trauer, die im Leo zu sehen sein wird.

20 Jahre Hospizverein: Das Sein in die Hände anderer geben
Der Hospizverein Schweinfurt feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einer Festwoche

Blick in eine Küche. Am Herd steht ein junger Mann, in einem Sessel sitzt eine alte Frau. Sie: „Vielleicht kann ich mich in unserer Gesellschaft noch irgendwie nützlich machen!“ Er: „Ach Oma! Denk doch nicht immer ans Sterben!“ Eine der Karikaturen zum Thema Sterben, Tod und Trauer der Ausstellung „Sie hat mir der Himmel geschickt!“

Die Ausstellung des Bamberger Hospizvereins wird im Rahmen der Festwoche zu sehen sein, mit der der Hospizverein Schweinfurt sein 20-jähriges Bestehen feiert.

„In den letzten Jahrzehnten stand das Thema Patientenautonomie im Vordergrund“, sagt Johannes Mühler, Chefarzt der Neurologie am Leopoldina-Krankenhaus und Vorsitzender des Hospizvereins. Mit dem Patientenrechtegesetz und wichtigen Grundsatzurteilen seien inzwischen wesentliche Aspekte geklärt.

Der Patient verstehe sich heute als autonomes Wesen, das von der Medizin unbedingte Leistung, sprich Heilung erwarte. Doch wenn Heilung nicht mehr wahrscheinlich ist, wird etwas anderes wichtig: das Aufgeben der Autonomie, das Loslassen. Mühler: „Man kann im Leben nicht alles bis ins Kleinste planen. Es kommt der Moment, da müssen wir das eigene Sein in die Hände anderer geben.“ Und dabei komme den Hospizhelfern eine wesentliche Rolle zu. Mühler sieht sie am besten in einem Zitat von Max Frisch umschrieben: „Man sollte die Wahrheit dem anderen wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann – nicht wie ein nasses Tuch um den Kopf schlagen.“

Von unserem Redaktionsmitglied Mathias Wiedemann